Ausländische Jugendliche wirken alleine wenn sie auf
der Strasse gehen als Provokation. Sie sehen "anders"
aus, reden so, dass sie MehrheitsösterreicherInnen nicht
verstehen, manche junge Frauen tragen sogar ein Kopftuch - etwas
das in Österreich seit 30 Jahren out ist.
Die Jugendlichen sind - ohne es ändern zu können - selbst
eine Provokation.
Das ist das einzige was öffentlich von Ihnen wahrgenommen
wird, sehr selten wird jemand gefragt, was er oder sie denn tun
will, was er oder sie denkt, was seine oder ihre Wünsche
sind. Sind diese Meinungen und Wünsche auch so provokant?
Das Projekt "Ich - eine Provokation?" greift genau
diese Widersprüche auf und bearbeitet diese im Rahmen der
Interkulturellen Medienwerkstatt PANGEA. Dort haben in- und ausländische
Jugendliche die Möglichkeit Internet zu nutzen und selbst
Medienarbeit zu machen. Über 200 Jugendliche, viele sogenannte
"minderjährige unbegleitete Flüchtlinge",
werden bei PANGEA von zwei MedienpädagogInnen und einem Techniker
unterstützt.
PROJEKTABLAUF
1. Workshop "Ich - eine Provokation?"
Im Rahmen eines eintägigen Workshops arbeiten Jugendliche
zum Thema. Gefragt wird in einem ersten Schritt danach, wo sie
selbst genötigt werden, für andere eine Provokation
zu sein ohne es selbst zu wollen oder den Begegnungsraum selbst
gestalten zu können.
In einem zweiten Schritt geht es um die Frage, was die Jugendlichen
selbst wollen. Das kann provokant sein, muss es aber nicht. Die
Gesellschaft setzt den jungen MigrantInnen oftmals Grenzen, deren
Infragestellung von MehrheitsösterreicherInnen als provokant
erlebt wird, obwohl die Wünsche und Forderungen der Jugendlichen
eigentlich etwas ganz normales sind - sie werden provokant durch
die Tatsache, dass die Jugendlichen nicht Angehörige der
Mehrheit sind. Relevant ist dabei auch die Frage der "Zwischenwelten",
die besonders junge MigrantInnen der zweiten Generation erleben
- was ist die Eigene?
Der Workshop wird mit einem/einer TrainerIn mit Erfahrung in Fragestellungen
der Identität gemeinsam mit den MedienpädagogInnen von
Pangea vorbereitet. Geplant ist der Workshop mit etwa 15 Jugendlichen.
Für Jugendliche, die nicht Deutsch sprechen, ist ein/e DolmetscherIn
vorgesehen, um auch diesen die Teilnahme zu ermöglichen.
2. Zeitung "Wir - eine Provokation?"
Nach dem Workshop gestalten die Jugendlichen selbst eine Zeitung.
Es geht dabei darum, die eigene Wünsche, Themen, Fragen in
die Öffentlichkeit zu tragen.
Die Pangea-MedienpädagogInnen begleiten und unterstützen
den Redaktionspro-zess, bei Bedarf können auch Texte aus
der Muttersprache ins Deutsche übersetzt werden. Die Jugendlichen
erlernen ihre eigenen Anliegen zu formulieren und gleichzeitig
die Grundlagen journalistischer Arbeit.
Geplant ist eine Zeitung im Berliner Format mit 8 Seiten in einer
Auflage von 3000 Stück. Es ist von etwa 5 Redaktionssitzungen
für die Planung auszugehen. Layoutiert wird gemeinsam mit
interessierten Jugendlichen.
Die Zeitung wird bei der Aktion (siehe S.3.) verwendet und verteilt
(Kulturvereine, Lokale, ect.).
3. Radio "Hören Sie die Provokation?"
Die Jugendlichen gestalten gemeinsam mit den MedienpädagogInnen
eine Radiosendung. Ausgehend vom im Workshop bearbeiteten Thema
werden mit PassantInnen auf der Strasse Interviews zu ihrer Wahrnehmung
der Jugendlichen gemacht - diese werden dann der Meinung der Jugendlichen
gegenübergestellt.
Die meisten Jugendlichen werden hier viel Unterstützung brauchen,
weil nur wenige gut genug Deutsch sprechen - insofern ist die
Radiosendung auch ein Experimen-tierfeld in diese Richtung. Ist
es zu provokant, wenn jemand der nicht perfekt Deutsch spricht
auch noch ins Radio will?
Die Sendung wird 30 Minuten lang werden und bei Radio FRO gesendet.
Über die Internet-Audiodatenbank CBA steht das Audiofile
auch anderen Freien Radios zur Verfügung.
4. Aktion im öffentlichen Raum "Probieren wir die Provokation?"
Im öffentlichen Raum in Linz wird die Frage der Provokation
von den Jugendlichen gemeinsam gestellt - im Rahmen eines Aktionsnachmittags.
Die gemeinsam produzierte Zeitung wird an PassantInnen verteilt,
um mit diesen ins Gespräch zu kommen. Visuals und Musik sind
wichtig, um auf sich auf aufmerksam zu machen und vielleicht ein
Stück weit öffentlich zu machen, dass es vielleicht
nicht nur Hautfarbe oder Kopftuch ist, dass provokant sein könnte.
ZEITPLAN
Mai 2006: Workshop
Juni - August 2006: Zeitungsproduktion, Radioproduktion
September 2006: Aktion im öffentlichen Raum
ORGANISATION
UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
Die jugendlichen Nutzer der Medienwerkstatt PANGEA werden durch
einen einfachen Aushang in der Medienwerkstatt und durch "Mundpropaganda"
zum Projekt eingeladen. Das Projekt initiieren
die MedienpädagogInnen bei Pangea, die Jugendlichen werden
aber weitreichend in die Planung und Organisation einbezogen.
Das Projekt wird von professioneller Pressearbeit begleitet. Eine
kleine Website informiert über das Projekt.
Konzept: Amra Racic
Umsetzung: Amra Racic, Michael Reindl, Ralph Aichinger
|